Freitag, den 22. Februar 2008,
vor 3 Jahren, 11 Monaten
Gemeindebriefe austragen
Wenn Sie diesen Artikel lesen, hat wieder ein neuer Monat angefangen, und vielleicht bin ich es gewesen, die den Gemeindebrief in Ihren Briefkasten gesteckt hat. Das mache ich, seit ich von meinen Kindern diese Aufgabe sozusagen geerbt habe, insgesamt sind es nun ca. 400 Stück. Inzwischen laufe ich nur noch alle zwei Monate los; dafür ist das Blättchen so umfangreich und damit schwer geworden, dass ich zweimal gehen muss.
Also los. Erstes Haus, wie bei fast allen Klingeln, Gegensprechanlage, geschlossene Tür. Also klingeln, dann warten, damit der oder die Angeklingelte zur Wohnungstür kommen kann. Überraschung – sofort erklingt der Summer! Dankbar und deshalb besonders fröhlich “der Gemeindebrief, danke fürs Aufmachen” rufen, Briefe einwerfen. Nächstes Haus. Bisschen kalt heute, eigentlich möchte ich Handschuhe…..aber damit hantiert sich’s nicht gut. Also mit klamm werdenden Fingern derselbe Vorgang – aber nein, diesmal habe ich schon mindestens sechs Klingeln gedrückt, es erklingt eine Stimme “wer ist da?”. Auf meine hoffnungsvolle Antwort “ich bringe den Gemeindebrief, würden Sie mir bitte aufmachen?”
kommt zum Glück ein freundliches Ja, der Summer ertönt – oder, das passiert auch, eine mürrische Ablehnung “brauchen wir nicht”. Das heißt: weiter klingeln. Und gar nicht so selten öffnet in einem Haus mit vierzehn Mietern niemand. Manchmal sogar dann nicht, wenn ich sehen konnte, dass Leben in den Wohnungen ist. Da ist es dann ein Glücksfall, wenn zufällig eine Haustür offen steht oder gerade jemand nach Hause kommt und mich – vielleicht mit einem scheelen Blick auf meinen Korb mit den Briefen – mit hineinlässt.
Nach und nach wird dann doch der Korb leichter.
Auf vielen Briefkästen finden wir Austräger/innen inzwischen die aufgeklebte Abwehrhand “keine Werbung”. Der Gemeindebrief ist keine. Auch “keine Zeitungen/Wochenblätter” ignoriere ich, ohne schlechtes Gewissen. Aber was tun, wenn der Briefkasten bereits so überfüllt ist mit Post, Prospekten, Zeitungen, dass nichts mehr hineinpasst? Für einen Moment stelle ich mir vor, wie Menschen leben, die nie ihren Briefkasten leeren, so ohne Kontakt zur Außenwelt – volle, beschmierte Briefkästen, unleserliche Namensschilder: erzählen sie von Einsamkeit, Armut, davon, dass Nachbarn einander gar nicht kennen?
Oft steht unter der Briefkastenreihe ein Pappkarton, schon voll mit Werbeprospekten. Ahnungsvoll verlasse ich das Haus: wie viele meiner Gemeindebriefe werden darin landen? Ich will es lieber nicht wissen.
Nach etwa 90 Minuten ist der Korb zum zweiten Mal leer. Und wenn sein Inhalt auch nicht immer willkommen war – ich weiß, dass auch viele auf ihren Gemeindebrief warten! Deshalb mach ich’s nächstes Mal wieder.
Dorothea Klasse
Haben Sie Lust und Zeit, in einem kleinen Gebiet unserer Pfarrbezirke 6 mal im Jahr den Gemeindebrief auszutragen? Hier erfahren Sie wie es geht!
(gelesen: 1094 mal, heute: 4 mal, zuletzt: 6. Februar 12)


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