Geschichte der Kirche auf dem Tempelhofer Feld

Am 26. Juni 2008 um 11 Uhr feiern wir einen Festgottesdienst zum 80-sten Jahrestag der feierlichen Einweihung unserer Kirche auf dem Tempelhofer Feld.
Er bildet den Auftakt zur “Festwoche zum 80.”. Für alle Interessierten, die unsere Kirche und ihre Geschichte noch nicht so gut kennen, sei sie aus diesem Anlass noch einmal kurz dargestellt:

Im Jahre 1247 erbauten die Tempelritter an der Stelle eines heidnischen Wendentempels das erste christliche Gotteshaus, das uns bis heute als Dorfkirche Alt-Tempelhof erhalten geblieben ist.
In den Jahren der Reformation wurde in der Gemeinde Tempelhof 1540 das erste heilige Abendmahl in zweierlei Gestalt gefeiert und damit die Zugehörigkeit zum evangelischen Christenglauben bekundet, zu dem wir uns noch heute bekennen.
Erst während des 1. Weltkrieges war für die Tempelhofer Gemeinde eine größere Kirche gebaut worden, die Glaubenskirche. Sie konnte 1915 geweiht werden, und bald darauf in deren Schatten 1922 das Denkmal für die Gefallenen der Gemeinde.
Nachdem in den schweren Zeiten der allgemeinen Not und den traurigen Folgen der Inflation nach dem 1. Weltkrieg mit der Errichtung vieler neuer Siedlungsbauten die Einwohnerzahl der Gemeinde Tempelhof, besonders im nördlichen Bereich rasch wuchs und inzwischen auf über 40.000 angewachsen war, erwies sich der Neubau einer weiteren Kirche im Norden Temeplhofs als unabwendbar.
Der Kirchengemeinde wurde das Baugrundstück von den beiden Gesellschaften “Tempelhofer Feld Aktiengesellschaft” und “Gemeinnützige Tempelhofer-Feld-Heimstätten-Gesellschaft” kostenlos zur Verfügung gestellt.

Kirche von Norden
Kirche von Norden

Die Vorbereitungen des Kirchenneubaus lag in den Händen einer Kirchenbaukommission, der sowohl der damalige Pfarrer Mueller-Schlomka als auch Bürgermeister ‘Wiesener, der zugleich Kirchenältester war, angehörten. Stadtbaurat Fritz Bräuning hatte den Entwurf für die Kirche angefertigt und war der künstlerische Leiter des Kirchenbaus.
Nachdem die Kirchengemeinde Tempelhof bei der Kur- und Neumärkischen Ritterschaftlichen Darlehnskasse einen Baukredit von 500.000 Mark aufgenommen hatte, konnte an einem milden Wintertag Ende Januar 1927 der erste Spatenstich erfolgen.

 Glockenturm
Turm

Die feierliche Grundsteinlegung für die neue Kirche auf dem Tempelhofer Feld, mit vielen Gästen und hohen Kirchenvertretern, wurde am Sonntag Oculi, dem 20. März 1927, begangen.
Die Urkunde zur Grundsteinlegung endet mit den Worten:
“…Mag am Altar dieser Kirche der Segen des dreieinigen Gottes allezeit in Jesu Namen gelegt werden auf Nahe und Ferne, auf Fröhliche und Trauernde, auf Gemeinde, Kirche und Vaterland! Fürwahr wie heilig ist diese Stätte, hier ist nichts anderes denn Gottes Haus! Jesus Christus gestern, und heute und derselbe auch in Ewigkeit! Dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen!”
Unterschrieben wurde die Urkunde von:
Generalsuperintendent Haendler; Präsident des Ev. Oberkirchenrates, Dr. Duske; Präsident des Konsistoriums Gensen; Superintendent Schlicht; Pfarrer Dr. Brückner, Pfeiffer und Mueller-Schlomka; Bürgermeister Dr. Bruns-Wüstefeld; Gemeindekirchenrat und Kirchenbaukommision, Albrecht, Bräuning, Bredereck, Franzenburg, Gauger, Dr. Hankwitz, Jung, Kownatzki, Kruschwitz, Kuhlmann, Dr. Lütkemann, Protz, Rüte, Wiesener, Wormuth und Zimmermann.

  Vorhalle der Kirche
Vorhalle

So entstand die runde Kirche, deren Inneres von einer auf 14 elfeckigen Säulen ruhenden Kuppel mit feingliedrigen Rippen überwölbt wurde, mit einem Durchmesser von 30 m und einer Höhe bis zur Turmspitze von 42 m und damals ca. 1.000 Sitzplätzen davon fast ein Drittel auf der Empore. Zwanzig 6 m hohe Fenster gaben dem Innenraum Licht und erhielten farbige Bleiverglasungen nach Entwürfen von Prof. César Klein. Die Orgel erbaut von der Fa. W. Sauer in Frankfurt/O. bekam 52 klingende Stimmen, 50 Koppeln und andere Spielhilfen und eine Gesamtzahl von 4.189 Pfeifen. Der Bildhauer Walter Gutkowski entwarf die Terrakottafigur Christi mit der Inschrift “Kommet her zu mir alle”.

elfeckige Säulen
Säulen Westseite

Die 4 von Hugo Naundorf gestifteten Bronzeglocken, gestimmt auf e, g, a und h, wogen zusammen ca. 2,5 t.
Nach nur einjähriger Bauzeit wurde der neue Kirchenbau von dem damaligen Generalunternehmer, Berlinische Baugesellschaft mbH für insgesamt ca. 550.000 RM fertiggestellt und am Himmelfahrtstag, dem 17. Mai 1928 mit einer großen Zahl von Besuchern und Gästen, darunter viele Ehrengäste, in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht.
Während des “Dritten Reiches” kam es auch im Seelsorgebezirk Neutempelhof, der damals nach wie vor zu Tempelhof gehörte, zu erheblichen Veränderungen. Die sog. Deutschen Christen, mit Pfarrer Tausch, beeinflussten auch hier mehr und mehr das gesamte Gemeindeleben im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie. Einige Teile der Gemeinde versuchten jedoch, sich gegen diese Repressalien zu wehren und sie hielten in anderen Räumen einige kleine Gottesdienste im Sinne der Bekennenden Kirche ab. Es gelang ihnen sogar vorübergehend die “Gewalt” über die Kirche, sowie über Akten, Konten und die Kasse der Gemeinde zu bekommen. Allerdings wurde dies kurze Zeit später gewaltsam durch die Polizei gestoppt und der von Nazis dominierte GKR sorgte dafür, dass es keine Abweichungen mehr von der Linie der sog. Deutschen Christen gab.
Der 2. Weltkrieg brachte auch Neutempelhof viel Leid und Not. Bei einem Bomben- und Luftminenangriff, Anfang 1945, wurden Turm, Dach, mit dem Dach auch das wunderbare Filigrangewölbe, und sämtliche Fenster stark beschädigt oder zerstört. In den folgenden Jahren war das Kirchengebäude eine Ruine, aus der in den Zeiten größter Not alles, was irgendwie brauchbar war, herausgeschaft und gestohlen wurde. Erst Ende 1949 bis Anfang 1950 gelang es der Gemeinde unter großer Anstrengung die Plünderungen zu unterbinden und mit dem, zumeist provisorischen, Wiederaufbau zu beginnen. Neutempelhof wurde im Jahr 1949 eine selbstständige Gemeinde mit eigenen Pfarrern, Hilliges und Kumbier, und eigenem Gemeindkirchenrat. In den folgenden Jahren wurde die Kirche so weit wie möglich für alle Aktivitäten der Gemeinde genutzt und es wurde sorgfältig auf die Erhaltung des bisher Erreichten geachtet.

Orgel und Kanzel
Orgel

Erst am 4. Advent 1960 war es endlich geschafft. Die Kirche konnte mit einem großen Festgottesdienst, bei dem der damalige Bischof Otto Dibelius die Predigt hielt, wiedereingeweiht werden. Inzwischen war der Kirchenbau durch eine Empfehlung des Konsistoriums in das Verzeichnis der Baudenkmäler West-Berlins aufgenommen worden.
Im Jahr 1978 wurde das 50-jährige Jubiläum der “Rundkirche”, wie die Kirche auf dem Tempelhofer Feld im Volksmund auch genannt wird, gefeiert.
12 Jahre später mußte für umfassende Sanierungsmaßnahmen das Kirchengebäude erst für fast ein ganzes Jahr außen mit einem Baugerüst versehen werden und danach für die Innenrenovierung ca. ein Jahr geschlossen und der gesamte Kirchen- und Gottesdienstbetrieb in das Gemeindehaus am Badener Ring verlegt werden.

 Christusfigur
Christusfigur

Die komplette Sanierung mit einem Gesamtumfang von ca. 3 Mio. DM umfasste alles, was für die nächsten 30 Jahre Bestand haben sollte und ging vom neuen Dach über den Einbau von neuen Heizmöglichkeiten, neuer Beleuchtung, neuer Lautsprecheranlage und neuen Außentüren bis zum Einbau einer behindertengerecht angelegten Toilette im hinteren Bereich des Gebäudes.
Am 4. Advent, dem 20. Dez. 1992, also 32 Jahre nach der ersten Wiedereröffnung wurde unsere Kirche wiederum in einem feierlichen Gottesdienst, wieder eröffnet und seitdem für viele Gottesdienste und große musikalische Aufführungen genutzt, bis wir jetzt …
… 80 Jahre nach ihrer ersten Weihe das 80-jährige Jubiläum mit einen großen Gottesdienst und einer anschließenden Festwoche feiern.

Dietrich Müller

(gelesen: 1301 mal, heute: 2 mal, zuletzt: 29. Juli 10)

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