Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.

Der Vers, der als Spruch für den Monat März ausgesucht wurde (Levitikus 19,18), wird Ihnen ganz bestimmt bekannt sein. Aber vermutlich kennen Sie diese Aufforderung nur aus dem Mund Jesu, also aus dem Neuen Testament. Doch hier wird zitiert aus Levitikus, also dem 3. Buch Mose, und somit aus dem Alten Testament. Und genau daraus hat auch Jesus zitiert. Er hat das Liebesgebot nicht „erfunden“, sondern er hat etwas, das ihm in den alten Überlieferungen wichtig war, betont.

Ein Gebot, das uralt ist. Haben wir in dieser Zeit das Lieben gelernt? Wir sagen gerne, mit Jesus Christus sei die Liebe Gottes in unserer Welt sichtbar geworden. Ist sie auch sichtbar und spürbar in unseren christlichen Gemeinden? Aber: Ist es überhaupt möglich oder sinnvoll, Liebe zu gebieten?

Wir wissen alle entweder aus eigener Erfahrung oder zumindest aus Erzählungen, dass sich Liebe nicht erzwingen lässt. „Ich liebe dich, also musst du mich auch lieben!“ Das funktioniert nicht. Nun meint die Bibel allerdings nicht irgendein romantisches Gefühl.

Es geht eher ums Akzeptieren. Akzeptieren der eigenen Person, akzeptieren der anderen Menschen. Anstelle des Wortes „akzeptieren“ könnten wir auch das schöne alte Wort „wertschätzen“ benutzen. Es legt nahe, in jedem Menschen etwas Wertvolles zu suchen und zu finden – auch in der eigenen Person. In allen dürfte etwas vorhanden sein von dem, zu dessen Ebenbild der Mensch geschaffen wurde – von Gott.

Wir müssen nicht die rosarote Brille aufsetzen und uns alle schlechten Eigenschaften und Fehler schönfärben. Wir Menschen haben Fehler, doch kein Mensch besteht nur aus schlechten Seiten.

Statt mit „du sollst“ können wir das hebräische Wort dafür auch anders übersetzen: Du wirst, darfst, kannst lieben. So wird aus dem Anspruch ein Zuspruch. Gott traut uns was zu!

Da die Nächstenliebe oft schon an der Eigenliebe scheitert, möchte ich Ihnen Gedanken von Reinhard Ellsel mit auf den Weg geben:

Ich wünsche dir,
dass du gut zu dir selbst sein kannst.

Mögest du dich selber
spüren und ein Gefühl    dafür haben,
was du brauchst.

Andernfalls hätte
auch ich bei dir
nicht viel zu lachen.

Damit grüßt Sie Ihre
Pfarrerin Birgit Gerritzmann

Dietrich Müller

(gelesen: 1430 mal, heute: 5 mal, zuletzt: 6. Februar 12)

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