Sonntag, den 22. August 2010,
vor 1 Jahr, 5 Monaten
Monatsspruch September
Wenn ich die Worte „Zum Geleit“ schreibe, wähle ich in der Regel einen der beiden Monatssprüche. Das ist auch dieses Mal der Fall. Ausgesucht habe ich den Spruch für den Monat September:
„Ein Mensch, der isst und trinkt und hat guten Mut bei allen seinen Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“
Prediger 3, Vers 13.
Ist Ihnen dieser Vers schon einmal begegnet? Vermutlich sind die Verse, die diesem vorausgehen, be-kannter: „Alles hat seine Zeit …“ Es folgen Beispiele für diese Aussage. Nach einigen Betrachtungen über die Zeit in Bezug auf Gott und die Menschen kommt der Verfasser in Vers 12 zu dem Schluss: „Da merkte ich, dass es unter ihnen (den Menschen) nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und es gut zu haben im Leben.“ Es folgt der Vers mit unserem Monatsspruch: „Ein Mensch, der isst und trinkt und hat guten Mut bei allen seinen Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“
Wer darin einen Aufruf zum uneingeschränkten Hedonismus, zum ausschließlichen genießerischen Faulenzen sieht, übersieht das Wörtchen „Mühen“. Speis und Trank fallen nicht als gute Gaben Gottes vom Himmel. Der Mensch erlangt sie nicht mühelos, sondern muss sich anstrengen, um genug zu essen und zu trinken zu haben.
Jede Kleingärtnerin und jeder Kleingärtner weiß: „Wenn ich mich nicht um die Pflanzen und den Boden kümmere, dann bleibt die Ernte aus.“ Ohne Fleiß kein Preis! Wenn allerdings der Fleiß weder in den An-bau von Nahrungsmitteln noch in korrekt bezahlte Arbeit gesteckt werden kann, sondern aufgrund von Arbeitslosigkeit in die Jagd nach Sonderangeboten und das Anstehen bei „Laib & Seele“ investiert werden muss, dann bekommt das Sprichwort einen bitteren Beigeschmack. Auf alle Fälle aber gilt, dass wir nicht völlig mühelos an unsere Nahrung kommen können.
Die „Mühen“ sind jedoch nicht der Dreh- und Angelpunkt des Verses. Es geht um das Essen und Trinken und besonders um den „guten Mut“, wie wir bei Luther lesen. Noch deutlicher wird es, wenn wir näher an dem hebräischen Text bleiben: „Wo immer Menschen essen und trinken und in all ihren Mühen Gutes wahrnehmen, ist das ein Geschenk Gottes.“
Wer Gutes wahrnehmen will, muss auch mal Pause machen. Wer nur in Hektik ist, stets dem Erfolg, dem Geld, dem Ansehen nachrennt, wer meint, ohne seinen ständigen Aktionismus würde alles zusammenbrechen, kann schwerlich Gutes wirklich wahrnehmen, kann kaum guten Mutes sein und gute Stimmung verbreiten.
Gutes wahrnehmen, guten Mutes sein – nicht nur in ein paar wenigen mühevoll freigeschaufelten Stunden oder auch nur Minuten, bei denen man schon fast das Gefühl hat, man habe sie gestohlen und solle eigentlich etwas „Sinnvolles“ tun. Gutes wahrnehmen, guten Mutes sein – nicht nur im Urlaub, sondern als Grundhaltung im Alltag.
Auch für den Prediger ist das offensichtlich keine Selbstverständlichkeit, denn er bezeichnet das als eine Gabe, ein Geschenk Gottes. Dieses Geschenk sehe ich in der Aussage in zweierlei Hinsicht: Gutes wahrnehmen zu können und guten Mutes zu sein als ein Geschenk Gottes. Aber auch beim Essen und Trinken z. B. einem Menschen zu begegnen, der so positiv eingestellt ist, kann ein Geschenk sein. Ein Geschenk, das ansteckt.
Sollten wir Geschenke nicht auspacken und benutzen statt sie unbeachtet in der Ecke verstauben zu lassen? Deswegen möchte ich den Rat von Reinhard Ellsel an Sie weitergeben:
Carpe diem – nutze den Tag!
Überhaupt meine ich,
wir sollten bei allem Tun und Lassen
die Freude nicht vergessen
und wie Kinder fromm und fröhlich sein,
dass wir unseren Tag pflücken
wie eine Kornblume im Getreidefeld.
In diesem Sinne wünscht Ihnen fröhliches Pflücken
Ihre Birgit Gerritzmann
(gelesen: 315 mal, heute: 3 mal, zuletzt: 6. Februar 12)

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