Geflüchtete Familien besuchten das Weihnachtsoratorium

Geflüchtete Familien besuchten das Weihnachtsoratorium


# Hilfe für Flüchtlinge
Veröffentlicht am Dienstag, 22. März 2016, 21:37 Uhr

Sowohl aus der nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft der ehemaligen Teske-Schule, als auch aus dem Erstaufnahmelager in der Colditzstraße kamen am Samstag, den 5. Dezember Geflüchtete, um das Weihnachtsoratorium zu hören.
Insgesamt sieben Familien, die über die Geflüchtetenarbeit im Familienzentrum eingeladen wurden, kamen und waren mehr als berührt.
Als Einladende wusste ich zuerst nicht, ob es gelingen kann. Denn Kinder und „ernste Musik“ und die in syrischen Ohren sicher fremd klingenden Töne – passt das? Dennoch haben wir beim Familienfrühstück mittwochs die Menschen, die hier Begegnung, Wärme und Hilfe in ihren existentiellen Angelegenheiten suchen, angesprochen und herzlich eingeladen. Die Sprachmittler Arwa und Ahmad haben mich unterstützt, erklärt, worum es bei diesem Konzert geht, wer dazu einlädt und was die Familien erwartet.
Was wir nicht erwartet haben, war dann die Reaktion der Geflüchteten. Mit großer Freude sagten sie zu. Denn sie wurden eingeladen, einmal etwas anderes als ihre täglichen Sorgen zu erleben, einmal Gast sein dürfen, einmal eine große Gemeinschaft erleben, die sich öffnet, einlädt und zulässt.
Denn zulassen mussten wir schon etwas: unsere Unsicherheit. Wird es ihnen gefallen, werden „die anderen“ mit Kinderlärm, Unruhe und einem fremden Anblick in deutschen Kirchen, also mehreren Frauen mit Kopftüchern, klar kommen.

Und wie schön ist es, dies jetzt bejahen zu können. Keiner der anderen Zuhörer oder Zuhörerinnen war verärgert über die leichte Unruhe, die da war. Wie selbstverständlich achteten Besucher darauf, dass die Kleinen nicht zu nahe an die Kerzen gingen, sprachen uns im nach hinein an, neugierig und erfreut über die Möglichkeit einer Begegnung.
Und die Menschen aus Syrien waren angerührt, etwas Neues miterleben zu können, mittendrin zu sein in einer Atmosphäre, die bewegt. Sie saßen genau neben dem Chor, der stimmgewaltig und kraftvoll einsetzte. So etwas kannten sie bisher nur vom Fernsehen. Also fragten einige schüchtern, ob sie dies fotografieren und „nach Hause“ schicken dürfen. Dann wollten zwei Mütter zum Stillen nach draußen und als die ersten kleinen Kinder unruhig wurden, gingen wir mit einer kleinen Gruppe in den Kinderraum von Harry Lehr. Dort wurde gemalt und gespielt und als die anderen begeistert nachkamen, war ihnen die Freude über die Einladung deutlich anzusehen. Und einige Kinder blieben übrigens bis zum Ende, saßen ruhig da und lauschten ganz intensiv der Musik.
Wie gut, einmal versinken zu können und nicht an morgen und die anstehenden Herausforderungen denken zu müssen. Und da sind wir uns doch alle irgendwie ähnlich?
Astrid List-Burau