Was für eine Gemeinschaft!

© Dominik Kuhn
Veröffentlicht von Stephan Schaar am Di., 25. Jun. 2019 15:53 Uhr
Kirchenmusik

“You’ll never walk alone”: Singen im Stadion und im Gottesdienst - so hieß eine besonders interessante Veranstaltung, die ich beim Kirchentag in Dortmund besuchte.

Zwei Fankurven-Aktivisten (ein ehemaliger Vorsänger von Borussia Mönchen-Gladbach, von Beruf Ev. Religionspädagoge, und ein vormaliger Trommler in der Fankurve des VfB Stuttgart) berichteten darüber, wie sie zu ihren Jobs kamen, welches Selbstverständnis die treuen Anhänger von Fußballclubs haben und wie sich das anfühlt, Teil einer großen, enthusiastischen Gemeinschaft zu sein.
Der Stadionpfarrer und Bandleader (“Habakuk”) Eugen Eckert aus Frankfurt am Main ergänzte aus seiner Sicht, worin sich die “Liturgien” von Stadion und Kirche ähneln und worin sie sich unterscheiden.
Moderiert wurde die Veranstaltung im Zentrum Kirchenmusik von dem Itzehoer Kirchenmusiker Stephan Reinke, den ich schon am Vortag erlebt hatte bei einem Workshop zu der Frage, wie man Gemeinde zum Mitsingen motivieren kann.
Einige eingängige Melodien, die besonders geeignet scheinen, das “Wir”-Gefühl zu transportieren, wurden angestimmt, und Vergleiche angestellt etwa zwischen einem typisch protestantischen Sonntagsgottesdienst in Deutschland (der in aller Regel mit einem Orgelvorspiel beginnt) und Gottesdiensten in den Vereinigten Staaten von Amerika, bei denen oftmals ein Gospelchor tanzend und singend die Kirche betritt und von Anfang an zum Mitmachen einlädt.
Vielleicht wollen wir das ja lieber nicht, weil... (Ich weiß nicht, wie man den Satz sinnvoll beenden sollte.)
Wenn aber doch, dann könnten ein paar einfache Regeln helfen auf dem Weg zu mehr Wir und mehr Freude am Singen im Gottesdienst:
1) Nicht jede/r für sich, sondern alle gemeinsam! Dazu hilft es, nahe beieinander zu sitzen (oder auch beim Singen zu stehen).
2) Blickkontakt zwischen Vorsingendem und Mitsängerinnen! Mehrmals vorsingen und Zeit geben zum Einüben!
3) Nicht alles auf einmal wollen und mit einfachen Schemata beginnen! Gegebenenfalls braucht es einen Chor oder eine Band für die Strophen, und die Gemeinde begnügt sich damit, voller Eifer einen schlichten, aber schönen Kehrvers anzustimmen.
Von den Fan-Chor-Vorsängern erfuhren wir noch, dass deren Gesang spontan auf das Spielgeschehen reagiert: Anfeuern, um die Mannschaft zu pushen, Durchhalteparolen, wenn es eng wird. Unsere Lieder sind (egal, von wem) hingegen vorher ausgesucht und werden auf der Liedtafel angezeigt.
Sich vorzustellen, auch dies so zu gestalten wie im Stadion, ist zwar reizvoll, fällt aber selbst mir ein wenig schwer, obwohl ich mir wünschte, wir würden uns eine Scheibe abschneiden von jener Begeisterungskultur, nach der sich viele sehen und die man doch in einem evangelischen Gottesdienst fast immer vergebens sucht.

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