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Ich glaube - hilf meinem Unglauben! <Markus 9, 24 - Jahreslosung 2020>

Ich glaube - hilf meinem Unglauben! <Markus 9, 24 - Jahreslosung 2020>


# Theologie
Datum der Veröffentlichung Veröffentlicht von Stephan Schaar am Samstag, 11. Januar 2020, 00:00 Uhr
Ich glaube - hilf meinem Unglauben! <Markus 9, 24 - Jahreslosung 2020>

Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!

Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Es ist doch wohl so: Entweder lebe ich als ein Glaubender oder eben im Unglauben.

Was ist das für ein merkwürdiges Wortspiel, das die Jahreslosung da mit uns treibt?

In dem Bibelabschnitt (Mk 9, 14-28), dem jener Vers entnommen ist, der zur Jahreslosung wurde, geht es um Heilung.

Ein Vater “glaubt”, daß Jesus seinem kranken Sohn helfen, daß er ihn gesund machen kann.

Das ist noch nichts wirklich Ungewöhnliches. Aus genau demselben Grund pflegen wir Ärzte aufzusuchen - und zwar möglichst solche mit einem guten Ruf, solche, denen man vertrauen kann, denen man etwas zutraut.

Doch dieser Arzt ist nicht da. Jesus, dem so ein sagenhafter Ruf als Wunderheiler vorauseilt, ist unterwegs.

Was für eine Enttäuschung!

Übrigens: Wer von uns würde sich ersatzweise an die Leute wenden, die gerade zufällig in der Praxis anzutreffen sind?

- Also ich nicht; es sei denn, es handelte sich um eine Art Erste Hilfe.

Doch dann die Begegnung mit Jesus:

Zunächst tadelt dieser seine Jünger dafür, daß sie nicht mehr Glauben haben. Er schüttelt den Kopf - wie an anderen Stellen auch -, weil sie anscheinend völlig auf ihn fixiert sind, statt sich von ihm anstecken zu lassen mit einem grenzenlosen Vertrauen zu Gott.

Das trifft er bei seinen Anhängern hier - wie etwa auch bei der berühmten Stillung des Sturmes - nicht an.

Immerhin ist er jetzt vor Ort, und der Vater kann ihm sein Problem erläutern. Er endet mit den Worten: “Hab Erbarmen und mach ihn bitte gesund, wenn du kannst!”

Ist das jetzt Vertrauen?

Wenn du kannst.

Ist das Glaube, der trägt?

- Eher klingt es nach letztem Strohhalm, nach einem: “Wenn alle Stricke reißen, dann hilft nur noch beten. Das kann man nicht wissen, das muß man eben glauben.”

Vorsichtigerweise machen das sogar manche, die von sich behaupten, ungläubig zu sein: “Ich bin Atheist. Gott sei Dank.”

Auch dies so ein Widerspruch in sich - irgendwo schimmert da noch ein letzter Rest von Gottesfurcht durch.

Dieses Phänomen nimmt auch dieser jüdische Witz aufs Korn:

Zwei Juden treffen sich am Sabbat. “Stimmt es”, sagt der eine, “daß du unserm Glauben abtrünnig geworden bist?”

“Ja”, gibt der andere zur Antwort.

“Glaubst du denn nicht mehr an Gott?”

“Weißt du, laß uns von was anderem reden!”

Am nächsten Tag treffen sie sich wieder.

“Es läßt mir keine Ruhe: Glaubst du noch an Gott?”

“Nein.”

“Na, das hättest du mir auch schon gestern gesagt haben können!

“Bist du meschugge? Am Sabbat!”

Auf einer sehr frommen Internetseite fand ich eine Betrachtung zur Jahreslosung und dort eine interessante Auseinandersetzung mit der Frage, was man denn bloß tun könne, wenn man glauben möchte, aber nicht glauben kann.

Die Frage finde ich toll, denn sie ist wichtig, sie ist ein ehrliches Eingeständnis dessen, daß wir hier an Grenzen dessen stoßen, wo es um die Machbarkeit geht.

Zwar wird auch bei Jesus.de davon gesprochen, daß der Glaube Gottes Geschenk an uns ist. Aber zugleich wird der Eindruck erweckt, man müsse nur um diesen Glauben bitten, und Gott werde dieses Gebet ganz bestimmt erfüllen.

Ich will nicht behaupten, daß Gott das nicht tut. Ich möchte sogar in dieses Gebet einstimmen.

Aber Gott bleibt dabei frei, jetzt gleich oder später oder womöglich gar nicht auf unser Bitten einzugehen.

Das ist meine Glaubensüberzeugung.

Die möchte alles für wahr halten, was uns Gott in seinem Wort zusagt, und alles hoffen, was uns verheißen ist. Und reibt sich doch an den Realitäten dieser Welt.

Das ist wohl kein Un-, aber doch ein Kleinglaube genau von jener Art, die Jesus an seinen Jüngern kritisiert.

In der parallelen Überlieferung unserer Perikope beim Evangelisten Matthäus sagt Jesus bei seiner Rückkehr zu seinen Jüngern einen Satz, der in unserem Abschnitt fehlte, den ich hier zitieren und damit diese kurze Besinnung abschließen möchte, weil ich finde, daß es auf diese Weise ein gutes Ende ist:

»Ich sage euch: Selbst wenn euer Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn, könnt ihr zu diesem Berg sagen: ›Rücke von hier nach dort!‹, und er wird dorthin rücken. Nichts wird euch unmöglich sein.«

Amen.

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