14/10/2026 0 Kommentare
Gedenkgottesdienst für Christine Treutler
Gedenkgottesdienst für Christine Treutler

In dankbarer Erinnerung
Mit großer Traurigkeit nehmen wir Abschied von Christine Treutler die über viele Jahrzehnte zu den Menschen gehörte, die unsere Gemeinde auf eine ganz besondere Weise geprägt haben.
Über viele Jahre wuchs sie immer mehr in die Gemeinde hinein und übernahm Verantwortung. Die Gemeinde wurde für sie zu einer Heimat, der sie über viele Jahrzehnte treu verbunden blieb.
Lange Zeit gehörte sie dem Gemeindekirchenrat an. Viele werden sie noch vor sich sehen, wie sie in Sitzungen saß und mitschrieb – und schrieb und schrieb. Sie sagte dann, sie könne sich schließlich nicht alles merken. So hielt sie zuverlässig fest, was besprochen wurde, und sorgte auf ihre stille Art dafür, dass nichts verloren ging.
Als ich vor 25 Jahren als Prädikant in der Gemeinde eingeführt wurde, war sie längst da und gehörte einfach dazu. Sie war Lektorin, las im Gottesdienst aus der Heiligen Schrift und half bei der Austeilung des Abendmahls. Viele Gottesdienste haben wir in diesen Jahren miteinander gefeiert.
Aber ihr Dienst ging weit über Ämter und Aufgaben hinaus. Sie war für viele eine „gute Seele“ der Gemeinde. Menschen vertrauten ihr, erzählten ihr von ihren Sorgen und Nöten und schütteten ihr das Herz aus. Sie konnte zuhören und für andere da sein. So war sie auf ihre ganz eigene Weise auch eine Seelsorgerin.
Unvergessen bleibt eine ihrer liebevollen Gesten: Wenn der Zinzendorf-Chor und später nach der Fusion die Schola gesungen hatten, schenkte sie den Sängerinnen und Sängern eine Blume – eine Blume, die nicht verwelkte. Es war eine Blumenkarte, die man behalten oder weiterschicken konnte, um einem anderen Menschen ebenfalls eine Freude zu machen. Vielleicht erzählt gerade diese kleine Geste viel von ihr: Freude schenken und Freude weitergeben.
Als ihre Kräfte nachließen und sie schließlich in einem Pflegeheim ganz in der Nähe unseres Kirchsaals lebte, blieb die Verbindung zur Gemeinde bestehen. Gemeindeglieder holten sie sonntags ab und brachten sie zum Gottesdienst und anschließend wieder zurück. Sie freute sich, wieder mitten unter uns zu sein, begrüßte die Menschen herzlich und war dankbar, dass sie kommen konnte.
Mit der Zeit merkten wir, dass manches verloren ging. Sie sprach die Menschen irgendwann nicht mehr mit Namen an. Die Demenz veränderte ihr Leben. Doch etwas blieb spürbar: ihre Freundlichkeit und vor allem ihre große Dankbarkeit.
Dankbarkeit – dieses Wort wird für mich besonders mit ihr verbunden bleiben. Sie war dankbar für Begegnungen, für Hilfe und für Gemeinschaft. Sie war kein Mensch, der viel klagte oder schimpfte. Sie wollte niemandem wehtun und begegnete den Menschen freundlich und zugewandt.
Nun müssen wir Abschied nehmen. Nach 25 gemeinsamen Jahren bin auch ich sehr traurig, dass sie nicht mehr da ist. Zugleich bleiben die Dankbarkeit und viele Erinnerungen: an ihre Treue, ihr offenes Ohr, ihren Dienst, ihre Blumen und ihre Freude an der Gemeinschaft.
Ihr Sohn erzählte, dass sie in der letzten Zeit sehr viel geschlafen hat. Und so dürfen wir vielleicht sagen, dass sie am Ende im wahrsten Sinne des Wortes eingeschlafen ist.
Wir vertrauen sie nun dem Gott an, aus dessen Wort sie so oft für uns gelesen und dessen Mahl sie mit uns geteilt hat. Und wir vertrauen darauf, dass sie bei ihm geborgen ist.
Wir werden sie vermissen und in dankbarer Erinnerung behalten.
Christian Mann
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