19/03/2026 0 Kommentare
Gemischte Gefühle - Winterkonzert
Gemischte Gefühle - Winterkonzert
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Gemischte Gefühle - Winterkonzert
Women – das starke Geschlecht
Ich erscheine am 13.03.2026 zum Winterkonzert. Ich fühle mich leer und unter Druck. Wenn ich zum Winterkonzert gehe, erwartet jeder, dass ein Artikel erscheint. Und wenn Dagmar Suhr drunter steht, soll auch Dagmar Suhr drin sein - locker, flockig, interessant – ist ja auch mein eigener Anspruch.
Während des 1. Drittels überlege ich, ob ich mal ein Schreibpause einlege, da fällt mir ein: Es ist ja das letzte Winterkonzert in der Saison 2025/2026.
Ich bin schon neugierig, welche Frauen es auf die Playlist geschafft haben. Zuerst „Für Elise“ von Beethoven, der Klassiker schlechthin. An der Orgel Karolina Juodelytė, Thomas Keller wechselt zwischen den Saxophonen, Matthias Witting ist seinem Flügel treu und Raimund Spierling untermalt das Ganze auf der großen Leinwand künstlerisch.
Die Spanne des Konzerts reicht von 1810 bis 2006.
Die ach-so-toll-beschriebene Frau entpuppt sich in der letzten Zeile als Mann – welch Affront im Jahr 1970, boykottiert von Radiosendern bzw. eingekürzt. Es geht um „Lola“ von the Kinks.
Amy Winehouse covert den Song „Valerie“ – wusste gar nicht, dass die je einen Song gecovert hat und zudem sich der Erfinder auch noch freut, „dass es eine Ehre ist von Amy gecovert zu werden.“ Als Eva Blum in ihrer unnachahmlichen Darbietungsform „Suzie Q...“ interpretiert, hat sie die Lacher auf ihrer Seite; sicher, Text wie auch Musik gehören nicht unbedingt in die anspruchsvolle Kategorie, erfolgreich war der Song trotzdem.
Schon ist die erste Pause heran und wieder vorbei, in der das ausverkaufte Haus sich gerne die Vinyl Art von Raimund Spierling angeschaut und fleißig Fotos geschossen hat. Auch das 2. Drittel beginnt mit einem Knaller: „Lara’s Thema“ aus Dr. Schiwago. Maurice Jarre bekam den Auftrag und er sollte bitte schön nix russlandspezifisches schreiben, noch sich auf Dr. Schiwago beziehen: „Fahr mit deiner Freundin in die Berge und schreib ein Liebeslied“. Er kam nach Hause und schrieb das Lied in 1 Stunde.
Nach einem Streit mit seiner Frau soll Jimi Hendrix „The wind cries Mary“ geschrieben haben. In eurer Interpretation gibt es am Ende so viele Variationen des Windes. Ich liebe es, wenn man es so deutlich hört.
Mit „Emanuela“ gibt es das Anti-Liebeslied, wie Matthias Witting es betitelt, von „Fettes Brot“. Eva rappt den Text und gerät ins Stolpern – nein ich zeige nicht mit dem Finger – aber mir wurde in diesem Moment bewusst, dass ihr da vorne unter mindestens ebensolchen Druck steht. Ihr wollt eine perfekte Show abliefern, die Leute auf höchstem Niveau unterhalten, also werde ich mich jetzt zusammenreißen und hoffentlich eure Erwartungen erfüllen.
Beim 3. Drittel bin ich wieder ich selbst, werde mitgerissen von „der fabelhaften Welt der Amélie“, von „Roxanne“, inspiriert von den Prostituierten in der Nähe des Hotels. Herrje, wovon sich Musiker alles inspirieren lassen. Von Police wechseln wir zu den Beatles und LSD, wie die Fans schnell herausfanden „Lucy in the sky with diamonds“. John Lennon bestreitet einen Zusammenhang. Auf der Leinwand fügt sich ein Kaleidoskop zu einer Iris zusammen. In so vielen Momenten fügt sich Musik und Text auf der Leinwand visuell zusammen. Eigentlich wäre hier ein zweiter Artikel über die Kunst fällig. Aber ich bin nicht fähig, beides gleichzeitig in gleicher Weise aufzunehmen. Natürlich gibt es Frauenbilder in vielen Variationen – wäre ja auch komisch, wenn nicht beim Thema dieses Abends – z.B. eine Parkuhr passend zum Text, zarte Vögel und und und ...
Ohne Zugabe lassen wir euch natürlich nicht Nachhause gehen. Nach der Flower-Zeremonie gibt es „Marias Lied“ zum 40jährigen Jubiläum von Linie 1. Nun habt ihr mich, aber so richtig. Musik lässt Emotionen fließen, meine kullern gerade aus meinen Äuglein.
„Wie gut, dass manchmal so‘n Engel erscheint,
wie du
und für mich weint.“
Ick kann dit selber, ohne Engel.
Eure Dagmar Suhr
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